Nachhaltigkeitsbericht 2017/18

 „Ich war wie ein Schwamm, der ständig Neues aufgesogen hat“

In vier Jahren vom Promovierten zum F&E-Manager: Für Dr. Jochen Ohrem kam das Traineeprogramm „Engineer4Future“ wie gerufen.

 

Mit den KHS-Traineeprogrammen bieten wir Hochschulabsolventen und Promovierten die Chance, wertvolles Wissen und praktische Erfahrungen zu sammeln – und zwar mit der klaren Perspektive, diese später auch konkret einbringen zu können. Denn unser eindeutiges Ziel ist, ihnen im Anschluss spannende Aufgaben und Verantwortung zu übertragen und sie im Unternehmen zu halten. Wie gut dieses Konzept aufgeht, zeigt der Werdegang von Dr. Jochen Ohrem, heute Manager Forschung und Entwicklung bei KHS.

Herr Dr. Ohrem, wie kam es zu Ihrer Entscheidung, am Traineeprogramm für Promovierte „Engineer4Future“ bei KHS teilzunehmen?

Während meines Promotionsstudiums hatte ich eine klare Vorstellung davon, wie meine berufliche Karriere verlaufen sollte. Ich wollte die vielen Themen, die ich im Studium behandelt habe, in einem Unternehmen unter einen Hut bringen. Dann sah ich die Stellenausschreibung für das Traineeprogramm für Promovierte „Engineer4Future“ bei KHS und fühlte mich sofort angesprochen: Es bietet einen begleiteten, vielseitigen Weg aus der universitären Forschung heraus in die industrielle Praxis. Dabei darf sich die Richtung, in die man sich im Laufe des Programms entwickelt, in Ruhe ergeben und auch noch einmal ändern. KHS als Anlagenbauer für die Getränkeindustrie schien mir ein Arbeitgeber zu sein, der genau zu mir passt: Hier ist Bioingenieurwesen ebenso gefragt wie Anlagen- und Verfahrenstechnik sowie mein Schwerpunkt Prozessanalytik in der technischen Chemie. Deshalb habe ich mich direkt beworben und wurde zu sehr interessanten Vorstellungsgesprächen eingeladen, die mein gutes Gefühl bestärkt haben. Die Gestaltungsspielräume, die mir KHS in Aussicht gestellt hat sowie die gesamte Unternehmenskultur und Internationalität überzeugten mich schnell, das Angebot anzunehmen. 2014 habe ich das Traineeprogramm begonnen. Es hat insgesamt 21 Monate gedauert und meine Erwartungen noch übertroffen. Ich habe in dieser Zeit so viel gelernt – ich war wie ein Schwamm, der ständig neue Informationen aufsaugt.

Dr. Jochen Ohrem und Dr. Robert Grefrath haben sich im Traineeprogramm kennengelernt.

Welche Art von Informationen waren das, wie war das Programm gestaltet?

Ich habe gemeinsam mit den anderen Trainees regelmäßig Seminare zu Soft-Skill-Themen und Projektmanagement besucht, außerdem gab es fachspezifische Schulungen in Blöcken. Eine Besonderheit waren die Teamprojekte: Hier haben wir in unternehmensweiten Kleingruppen über anderthalb Jahre lang ein spezielles Projektthema bearbeitet. In unserem Team haben wir eine Forschungsförderstrategie erarbeitet, um Kooperationen und Förderungen für wichtige Forschungsprojekte zu fokussieren und daraus den größtmöglichen praktischen Nutzen für KHS zu generieren. Dafür haben wir uns eng abgestimmt, das hat auch die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Fachabteilungen nachhaltig gefördert. Gleichzeitig konnten wir Methoden, die wir gelernt hatten, direkt in die Praxis umsetzen, zum Beispiel Scrum als Projektmanagementmethode.

Und dann gab es ja noch den Arbeitsalltag: Ich habe acht verschiedene Stationen durchlaufen und dabei täglich Neues gelernt. Das ging von der Verfahrenstechnik von Füllern über Baustellen-aufenthalte im In- und Ausland bis zur Trainingsabteilung. Ein absolutes Highlight in meiner Traineezeit war mein dreimonatiger Aufenthalt in Brasilien. Da habe ich eine ganz andere Mentalität kennengelernt. Man verbringt dort die Freizeit häufig mit seinen Kollegen. Wir haben beispielsweise nach Feierabend auf dem Werksgelände gegrillt. Solche Aktionen sind sehr förderlich für die Zusammenarbeit. Ich habe noch heute Kontakt zu den brasilianischen Kollegen, und wenn irgendjemand in meinem Umfeld eine Frage an den Standort hat, stelle ich den Kontakt her.

Welche Schwerpunkte haben Sie während des Traineeprogramms besonders für sich entdeckt?

Es gibt zwei Themengebiete, die mich immer wieder beschäftigt haben: Aus methodischer Sicht ist das die Produktentwicklung und in fachlicher Hinsicht die Verfahrenstechnik, die sich für verschiedene Maschinen und auch an unterschiedlichen Standorten stark voneinander unterscheiden kann. Durch das Traineeprojekt zu den Forschungsförderstrategien hatte ich die Chance, diese beiden Themen miteinander zu verknüpfen. Ich habe mich intensiv damit beschäftigt, wie wir bei KHS Produktentwicklungen fördern können, indem die Erforschung staatlich bezuschusst und von renommierten Partnern unterstützt wird. Im Ergebnis haben wir feste Kooperationspartner gewonnen und einen Prozess erstellt, mit dem neue Ausschreibungen beobachtet werden und auf die man in definierten Abläufen reagieren kann. Damit haben wir bereits während der Traineezeit konkrete Forschungsprojekte initiiert, bei denen wir sehr viel Gestaltungsfreiraum hatten.

Wie ging es dann für Sie weiter?

Ich habe von KHS die Chance erhalten, drei dieser Forschungsprojekte zu leiten, und die habe ich gerne genutzt. Ein Jahr später habe ich zusätzlich eigene Produktentwicklungsprojekte übernommen. Und seit einem Jahr ist mit dem Management der Forschung und Entwicklung nun noch eine neue Aufgabe hinzugekommen. Es ist also sehr bereichernd und spannend, welche Wege und Möglichkeiten sich für mich ergeben haben.

Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit in der Forschung und Entwicklung und welche Bedeutung hat das Thema für Sie?

Für mich persönlich ist das Thema sehr wichtig und hat ein enormes Potenzial. Die besondere Herausforderung in der Industrie ist, Nachhaltigkeit so in unsere Produkte zu integrieren, dass es für die Kunden interessant wird. Das ist immer dann der Fall, wenn wir die Schnittmenge zwischen Nachhaltigkeit und Kosteneffizienz finden. Das reizt mich ganz besonders. Bei unseren Forschungsprojekten spielen Energieeinsparung und ein geringerer CO2-Verbrauch eine große Rolle. Unter anderem haben wir beispielsweise Messdaten erfasst und bearbeitbar gemacht, sodass wir eine verlässliche Aussage über den Energieverbrauch erhalten. Wenn uns solche Zahlen vorliegen, können wir realistische Alternativszenarien entwickeln und zum Beispiel das Einsparpotenzial den Anschaffungskosten einer nachhaltigen Maschine gegenüberstellen. Dass diese Betrachtungen positiv ausfallen und alle Beteiligten überzeugen, ist meine Vision für die Zukunft.