Nachhaltigkeitsbericht 2019/20

Nachhaltigkeitsaspekte bei der Verpackungsentwicklung

Verbraucherschutz, Gesundheit und Umweltverträglichkeit

KHS unterstützt seine Kunden bei einer Vielzahl von Lösungen zur Verbrauchersicherheit und Gesundheit der Konsumenten, wenn es um den unbedenklichen Genuss von Getränken und flüssigen Lebensmitteln geht. Doch eine Verpackung leistet noch mehr: Sie muss bestehende Anforderungen an Convenience erfüllen und den zunehmenden Erwartungen der Verbraucher nach Umweltverträglichkeit entsprechen.

Verbraucherschutz / Gesundheit 

Verbrauchersicherheit ist das höchste Gut, das mit einer Getränkeverpackung geleistet werden muss. Sie muss ihren Inhalt so gut schützen, dass der Konsument das Produkt bedenkenlos und in gleichbleibend hoher Qualität konsumieren kann. KHS-Abfüll- und Verpackungsanlagen erfüllen vor dem Hintergrund sämtlicher sicherheitsrelevanter Aspekte (siehe Kapitel Produktverantwortung – Maschinen & Anlagen) die Voraussetzungen, dass ein Getränk entsprechend strengster Lebensmittelauflagen abgefüllt und verpackt werden kann. Dafür bieten wir ein breites Spektrum an Lösungen: Zum Beispiel prozesstechnische Filteranlagen, die einen sicheren Schutz vor möglichen Mikroplastik-Bestandteilen in Getränken bieten, Streckblasmaschinen, die leichte und bruchsichere Behälter herstellen oder Füll- und Verschließsysteme, die je nach Füllgut sauerstoff-, keimarm und sicher verpacken. Die weiteren Verpackungsschritte schützen den Getränkebehälter vor äußeren Einflüssen und machen ihn transportsicher für den Weg zum Handel und zum Verbraucher.

Die Weiterentwicklungen in diesem Bereich des Verbraucherschutzes sind hier punktuell und konzentrieren sich gezielt auf bestimmte Komponenten – insbesondere von Kunststoffgetränkeflaschen. Das hier vornehmlich zum Einsatz kommende PET (Polyethylenterephthalat) ist dabei im Zusammenhang mit den Diskussionen, vor allem um Einwegplastikmüll in der Umwelt, seinen fossilen Quellen sowie möglichen gesundheitlichen Gefährdungen in das besondere Blickfeld öffentlicher Kritik gerückt. Als Anbieter von Maschinen zur Herstellung von Kunststoffbehältern sowie Partner für die Getränkeindustrie, wenn es um die Optimierung des Behälters über ein attraktives und nachhaltiges Design geht, nehmen wir unsere Verantwortung hier seit über 40 Jahren sehr ernst und wollen mit unseren Entwicklungen auch weiterhin zu Lösungen beitragen, Kunststoffverpackungen zukunftsfähig zu halten. Dafür stellen wir Produkt- und Umweltschutz gleichermaßen in den Mittelpunkt unserer Bestrebungen und setzen dabei zunehmend auf Sekundärrohstoffe. Damit schaffen wir die Voraussetzungen, um aus Einwegverpackungen langfristig kreislauffähige Lösungen zu machen.

Beispiele der Weiterentwicklung aus dem Berichtszeitraum

Rezyklat

Der Trend zu Rezyklateinsatz im PET-Bereich ist ungebrochen. Immer mehr Produzenten erhöhen den Anteil an sogenanntem rPET, dem Rezyklatmaterial in ihren PET-Flaschen. Das fördert die Kreislaufwirtschaft und senkt den CO2-Footprint der Verpackung erheblich. Im Recyclingprozess bei PET (Polyethylenterephthalat) werden Fremdsubstanzen durch Reinigungsschritte und Dekontaminationsverfahren entfernt. So wird gewährleistet, dass später keine Fremdsubstanzen, sogenannte NIAS (Non Intentional Added Substances), aus dem recycelten PET in das Produkt migrieren.

Zudem können Beschichtungslösungen auf der Innenseite der PET-Flasche als funktionale Barriere gegenüber der Migration solcher Substanzen gemäß NIAS fungieren.

So hat KHS zum Beispiel mit FreshSafe-PET eine einzigartige Barrierelösung für PET-Behälter entwickelt, die sensitive Getränke wie Saft oder hochkarbonisierte Softdrinks vor Sauerstoffeintrag oder Verlust von Kohlensäure und Aromen schützt. Im Gegensatz zu üblichen Barrieren, die ebenfalls über diese Schutzfunktion verfügen und Verbundmaterialien enthalten, besteht FreshSafe-PET aus einer hauchdünnen Glasbeschichtung, die auf der Innenseite des PET-Behälters in einem technischen Verfahren aufgetragen wird. Im Gegensatz zu vielen anderen Barrieren ist diese vollständig Flasche-zu-Flasche recyclingfähig. Sie kann zudem die Haltbarkeit von Produkten um das bis zu Zehnfache verlängern. Das beugt Lebensmittelverschwendung vor und erweitert den Versorgungsradius mit einem Produkt – insbesondere in strukturarmen Regionen.

Mikroplastik/Staub

Mikroplastik sind kleinste Kunststoffpartikel, die insbesondere durch den Abrieb von Autoreifen oder bei der Abfallentsorgung entstehen. Als Systemanbieter für Abfüll- und Verpackungsanlagen beleuchtet KHS seine Lösungen und Prozesse bereits seit Jahren auch vor diesem Hintergrund. KHS unterstützt Getränkeabfüller dabei, mögliche Kleinstbestandteile aus dem Produktionsprozess fernzuhalten. Im Bereich der Prozesstechnik können hier Filteranlagen eingesetzt werden, die auch Kunststoff-Feinstpartikel mit einer Größe von nur 0,2 µm abfiltern. Bei der PET-Verarbeitung werden bei der Flaschenherstellung durch unsere Preform-Entstaubung noch vor dem Streckblasprozess Fremdkörper – auch PET-Staub – von der Oberfläche des Preforms entfernt. Eine integrierte Absaugung erfasst alle Partikel bereits vor dem Abfüllprozess.

Umweltverträglichkeit

Die Kernkompetenz von KHS bei Verpackungslösungen liegt in der ganzheitlichen Beratung. Neben der PET-Getränkeverpackung beraten wir auch im Bereich der Behälteroptimierung bei Glasflaschen und Getränkedosen. Darüber hinaus entwickeln wir neue Umverpackungslösungen für Gebinde aus Dosen, PET- und Glasflaschen. Auch hier geht der Trend eindeutig zu leichteren Behältern und zu mehr Einsatz von recycelten bzw. recycelbaren Materialien aus nachwachsenden Rohstoffen.

Beispiele der Weiterentwicklung aus dem Berichtszeitraum

Recyclingfähige Barriere

KHS hat mit dem Behälterkonzept „Beyond Juice“ eine PET-Flasche aus 100 % Rezyklat mit EPBP- und APR-anerkannter recyclingfähiger Plasmax-Barriere entwickelt. Es ist insbesondere für sensitive Getränke wie Säfte geeignet. Diese benötigen einen besonderen Schutz vor Sauerstoffeintrag. „Beyond Juice“ verbindet Produkt- und Umweltschutz gleichermaßen. Der 100-prozentige Einsatz von recyceltem PET verbessert die CO2-Bilanz der PET-Flasche um bis zu 60 Prozent. Recyclingspezialist Interseroh bestätigt mit seinem Siegel „Made for Recycling“ die Recyclingfähigkeit der Flasche, inklusive der gewählten Parameter wie Etikett oder Leim. Das Konzept erzielt in dem vorausgegangenen Test- und Prüfverfahren die maximale Punktzahl von 20 Punkten – ein absolutes Novum im Segment der PET-Flaschen mit Barriereanforderungen.
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Recycling / Gewichtsreduzierung 

Entwicklung einer leichten und 100-prozentig recycelbaren 1-Liter-Mehrweg-PET-Flasche in Kooperation mit ALPLA: Für die Optimierung von bestehenden Behälterlösungen arbeiten wir regelmäßig mit renommierten Partnern im Markt zusammen. Für die Konzeptstudie, auch im PET-Mehrweg-Bereich die Umweltfreundlichkeit der Verpackung weiter zu verbessern, konnten wir ein erfolgreiches Konzept realisieren: Mithilfe eines völlig neuen Designansatzes haben wir einen Behälter entwickelt, der über einen Rezyklatanteil von 35 Prozent verfügt und 10 Gramm leichter ist als eine herkömmliche PET-Mehrwegflasche. Das Ergebnis ist eine Verpackung mit deutlich verbesserter CO2-Bilanz durch den Rezyklatanteil und auch beim Transport. Dort werden durch das leichtere Flaschenkonzept auch die Emissionen deutlich gesenkt. Die für Mehrwegflaschen üblichen hohen Umlaufzeiten kann auch diese Flasche problemlos einhalten. Die Lösung richtet sich vornehmlich an Mineralbrunnen, ist aber auch für jedes andere Getränkesegment geeignet.  
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Materialeinsparung 

Im Bereich der Sekundärverpackungen streben wir ebenfalls eine weitere Minimierung von Verpackungsmaterial wie zum Beispiel Folie an. Zudem entwickeln wir alternative Packlösungen aus Papier oder Pappe bis zum kompletten Wegfall der Umverpackung wie beim Nature MultiPack weiter. Im Idealfall besteht sie weitestgehend aus rezyklierten Materialien. KHS erweitert hier seine Kompetenzen durch eine verstärkte Zusammenarbeit mit seinen Kunden und mit Packspezialisten, um bestimmte Lösungen schnell und gezielt weiterzuentwickeln. Das Ergebnis ist der Papiereinschlag: Hier werden Getränkedosen zu 12er- und 24er-Gebinde in Papier statt Folie verarbeitet. 
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Transportsicherheit von Sekundärverpackungen 

Angesichts von Packs mit anderem oder weniger Umverpackungsmaterial beraten wir unsere Kunden hinsichtlich der Transportsicherheit der palettierten Produkte (zum Schutz von Personen und des Produkts) bis zum Point of Sale. Um unnötigen Abfall zu vermeiden, müssen die verpackten Produkte auch weiterhin unbeschädigt beim Verbraucher ankommen. Hierfür müssen auch die Prozessschritte der Palettierung genau an die neuartigen Verpackungen angepasst werden. Gebinde werden mithilfe spezieller Lagenbilder effizient und sicher auf Paletten gestapelt. Dieser Vorgang wird mithilfe von Gruppier- und Palettier-Robotern produktschonend und prozesssicher durchgeführt. So haben wir beispielsweise vereinzelte Palettiervorgänge speziell auf die Anforderungen des Nature MultiPack so angepasst, dass diese folienfreien Gebinde im weiteren Verlauf transportsicher, staubgeschützt und ressourcenschonend für den Transport vorbereitet werden.